Freitag, 13. Mai 2016

Zeugen der Belle Époque an der Côte d'Azur

Weniger auffällig als die Mega-Yachten, die einem direkt vor der Nase vorbei schippern, sind die Villen an der Côte d'Azur. Sie verstecken sich hinter hohen Mauern und nur die Eingangstore lassen ahnen, wie es dahinter aussieht.

Eine der schönsten Villen öffnet aber ihre Tore auch für den normalen Sterblichen. Die Villa Ephrussi de Rothschild am Cap Ferrat. Sie lässt den Besucher eintauchen in das Leben der Belle Epoque und erfreut das Herz mit ihren wunderbaren Gärten und Wasserspielen.

Die Villa wurde zwischen 1907 und 1912 erbaut, und die Besitzerin Béatrice Ephrussi de Rothschild (1864 - 1934) lebte im gleichen Zeitabschnitt wie Guglielmo Marconi (1874 - 1937). Ob sich die beiden gekannt haben, weiß ich nicht. Aber die Baronesse hat sicher von den Versuchen Marconis gehört.
Marconi stellte übrigens einige seiner ersten Versuche in der Schweiz an: in Salvan im Wallis. Einigen Funkamateuren ist das Marconi-Museum in Salvan sicher bekannt.

Marconi hat die Welt verändert. Hätte er die drahtlose Telegrafie nicht erfunden, so sähe die Welt heute vielleicht so aus, wie in meinen Steampunk-Romanen ;-)

So ist es nicht verwunderlich, wenn ich beim Streifzug durch die Räume und Gärten der Villa Ephrussi ins Träumen geraten bin und mir eine Zeitmaschine wünschte, um für einen Augenblick in eine Epoche zurückzukehren, in der die Grundlagen für unsere heutige Welt gelegt wurden - dorthin wo auch unser Hobby, der Amateurfunk, seinen Ursprung nahm.

Ein Ereignis, das auch in diese Zeit fiel und der drahtlosen Telegrafie vollends zum Durchbruch verhalf, war der Untergang der Titanic 1912. So klang damals der SOS-Ruf der Titanic. Eine Aufnahme, bei der mir immer noch ein kalter Schauer über den Rücken läuft.

Wir Funkamateure sind die Letzten, die dieses Erbe der drahtlosen Übertragung pflegen: die Morsetelegrafie. Nichts kann sie ersetzen, sie war die erste digitale Übertragungsart und ist immer noch die einzige, die der Mensch direkt und ohne Hilfsmittel decodieren kann. Tragen wir Sorge zu diesem immateriellen Kulturerbe!

  


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