Freitag, 23. Februar 2018

Überraschung: Der FT-818 löst den FT-817 ab!

Seit Jahren geisterte das Gerücht durch die einschlägigen Foren, Yaesu würde den Nachfolger des FT-817 auf den Markt bringen. Doch bisher waren alle News zu diesem Thema bloß Nieten. Auch die Bilder, die herumgeboten wurden, war nichts als Fotomontagen:

Und wie jedes Jahr, wenn der erste April näher rückt, ist es auch diesmal wieder soweit. Ein neues Bild von einem angeblichen FT-818 wird gezeigt:


Doch auch dieses Bild ist nichts anderes als eine billige Collage und ganz sicher nicht das Erscheinungsbild eines neuen Yaesu FT-818.

Kürzlich hatte ich hier in diesem Blog prophezeit, dass es der FT-817 bis ins nächste Jahrzehnt schaffen werde. Trotz der vielen Komponenten, die inzwischen abgekündigt wurden, wie zum Beispiel den mechanischen Filtern von Collins oder den Endstufen-Transistoren.

Doch in den letzten Tagen musste ich meine Meinung revidieren. Zwar habe auch ich kein valables Bild eines neuen Transceivers entdeckt, aber ich habe einen Prüfbericht aus den USA einsehen können, über ein Modell aus der Vorproduktion von Yaesu mit der Bezeichnung FT-818.
Dieser Bericht stammt vom FCC, ist recht umfangreich und sicher kein Fake.

Yaesu hat also in den USA einen FT-818 genannten Transceiver testen lassen, und der hat den Test bestanden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses neue Gerät an der Tokio Ham Fair am 25./26. Ausgust 2018 vorgestellt wird, erachte ich als hoch.

Doch wenn schon kein Bild des Neuen zu haben ist, sind wenigstens ein paar Daten über ihn durchgesickert?

Aus dem Prüfbericht des FCC geht hervor, dass es sich um einen Portabel-Transceiver handelt für KW, 6m, 2m und 70cm. Das Gerät wird über eingebaute Akkus betrieben und weist einen Anschluss für eine externe Speisung mit 13.8V auf. Dass es sich dabei um einen Allmode-Transceiver handeln muss, und nicht bloß um ein FM-Gerät, scheint logisch - sonst würde der KW-Bereich keinen Sinn haben.
Ferner spricht der Prüfbericht von einem Superhet-Empfänger. Also ist es wahrscheinlich kein SDR mit einem A/D-Wandler an der Antenne, bzw. mit direct sampling.

Alles andere ist Spekulation. Und die sprießt jetzt im Web wie frische Pilze nach einem Herbstregen.
Folgendes Rezept kann man zurzeit in der Gerüchte-Küche zusammenkramen:

- 12 Watt Ausgangsleistung
- eingebauter Antennentuner
- 3 Ah Lipo Akku

Ich denke, den Deckel wird man nicht lange auf dem Topf halten können und bin gespannt auf weitere Details. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.


Wer sich selbst überzeugen möchte: hier ist die Seite des FCC.
(Grantee Code K66 & Product Code 03770X30)


Ein Abschwächer für den QCX

Ihr erinnert euch sicher an Andy HB3YAF, den Telegrafisten. Auch er ist ein begeisterter Besitzer eines QCX. Und da er - im Gegensatz zu mir - von Mechanik was versteht, hat er ihm ein Gehäuse gestrickt. So sieht das im Rohbau aus:


Mit diesem Gehäuse ist der QCX im Portabelbetrieb auch für den schlimmsten Fall gerüstet.

So ein richtiges Gehäuse hätte mein QCX zwar auch verdient, aber so lange ich daran herumbastle, ist ein Breadboard zweckmäßiger.
Die neueste Modifikation, die er bekommen hat, ist ein Abschwächer. Denn der Empfänger ist sehr empfindlich und verfügt über keine AGC.  Das NF-Poti regelt also die Gesamtverstärkung des Empfängers.
Das klappt bei starken Signalen, wie sie meine Antenne im 80m Band bringt, nicht immer gut. Die Lautstärke ist oft zu gross und die NF verzerrt. Ein RF-Gain wäre ideal, doch soweit wollte ich die Schaltung nicht modifizieren. Mit einem einfachen Trick lässt sich ein schaltbarer Abschwächer anbauen.
Dabei handelt es sich um einen kleinen Schalter, mit dem die Antennen-Spule des Eingangstrafos kurzgeschlossen wird. Das ist die mittlere Windung der drei kleinen. Die Drähte müssen kurz sein, nicht länger als 4 cm.
Wenn die Windung über den Schalter kurzgeschlossen wird, gelangt erstaunlicherweise immer noch genügend Antennenspannung auf den Trafo. Die Dämpfung beträgt ca. 20dB.

Bei Signalstärken von plus 20 und mehr dB über S9 erhält der NF-Regler somit wieder etwas Luft und die Lautstärke lässt sich mit dem Poti besser einstellen.

So sieht mein Breadboard zurzeit aus:


Oben links ist der Step-up Konverter zu sehen, der die Spannung konstant auf 14 Volt hält, unabhängig von der Speisespannung. Das Modul rechts davon kommt natürlich über Ebay aus China und zeigt die Speisespannung. Es verbraucht selbst nur 5mA. Zurzeit hängt ein kleiner 12V Bleiakku dran. Rechts sieht man den Schalter für den Abschwächer. Den Antenneneingang habe ich versetzt, damit er mir nicht in die Quere kommt. Adleraugen erspähen sicher auch den kleinen Kühlkörper auf dem Spannungsregler des QCX. Das Teil wird meines Erachtens sonst zu warm.


Donnerstag, 22. Februar 2018

Trockenbatterien für den QCX



Was für ein Flop, die Geschichte mit der Kuh-Batterie. Aber ich habe die Hoffnung, den QCX mit Trockenbatterien zu betreiben, noch nicht aufgegeben.
Doch diesmal habe ich mir vorgenommen, zuerst das Datenblatt zu lesen, bevor ich mich in Versuche stürze. RTFM: ein Ratschlag den viele OM nicht beherzigen ;-)
Doch im Falle der Weidezaun-Batterie ist es nicht so leicht, ein adäquates Datenblatt aufzutreiben. Was sollen auch der Bauer und seine Kühe mit Daten anfangen. Ihnen reicht's, wenn das Teil funktioniert und davon können sie sich mit einem Griff, beziehungsweise mit dem Maul am Zaun überzeugen.

Nach längerer Suche habe ich doch noch etwas gefunden, das nach einem Datenblatt aussieht. Nicht vom Hersteller der Landi-Batterien, aber von der Konkurrenz. Aber vielleicht ist die Landi-Batterie auch nur umgelabelt worden, und die Dinger stammen alle aus der gleichen Quelle - wer weiss.

Was ich befürchtet hatte, bestätigte das Datenblatt. Es handelt sich bei der Batterie um eine Luft-Zink-Batterie. Dieser Typ wird vor allem als Knopfzelle in Hörgeräten eingesetzt. Daher muss vor Gebrauch der Kleber von den Luftlöchern abgezogen werden, was ich auch getan habe. Dieser Batterietyp ist nicht für große Ströme gemacht.

Wenn man keine Ahnung hat (was bei mir öfter vorkommt) und etwas über die Seele einer Batterie in Erfahrung bringen will, schließt man sie am besten kurz. Natürlich nur eine Sekunde und mit einem Zangen-Ampere-Meter, um den Kurzschlussstrom zu messen. Doch Vorsicht: bei Akkus sollte man diese Methode tunlichst unterlassen. Das weiss jeder Automechaniker, dem mal ein Gabelschlüssel auf die Batteriepole gefallen ist. Die Ermittlung des Innenwiderstandes muss bei Akkus mit einem Lastwiderstand erfolgen.

Die Kuh-Batterie aus dem vorherigen Blogeintrag brachte nicht mehr als ein Ampere Kurzschluss-Strom zustande. Nach dem ohmschen Gesetz lässt sich daher der Innenwiderstand der Batterie mit R=U/I berechnen. 9V/1A ergeben 9 Ohm. Et voilà: das ist der Grund, wieso da nicht mehr Strom rauskommen kann: der Innenwiderstand ist viel zu hoch.

Zum Vergleich habe ich eine alte 1.5 Volt D-Zelle von der Migros gemessen (oben im Bild), die sich seit Jahren im Keller langweilt und auf eine Taschenlampe wartet, die schon längst das Zeitliche gesegnet hat. Ablaufdatum 2004! Sie war noch ziemlich munter und brachte noch 10 Ampere Kurzschlussstrom auf. Ihr Innenwiderstand beträgt also nur 150 mOhm.

Eine Serie dieser Batterien (6-8 Zellen) könnte also durchaus den QCX betreiben, wie das Datenblatt zeigt. Mit dem Step up Converter aus dem vorhergehenden Blogeintrag könnte die Spannung konstant gehalten und das letzte Quäntchen Energie aus den Zellen gezogen werden. Ob sich das rechnet, ist eine andere Frage. Denn Trockenbatterien sind teuer und lassen sich nicht, oder nur sehr beschränkt aufladen.
Somit käme eine solche Stromversorgung nur als Notlösung in Frage.   


Dienstag, 20. Februar 2018

Was für die Kühe gut ist, frisst der QCX nicht.

Kürzlich hat mich mein QCX wieder im Stich gelassen. Doch diesmal was es nicht der Mikroprozessor, sondern bloß ein Kondensator. Der Koppelkondensator C29 von den Endstufentransistoren zum Tiefpassfilter hatte den Geist aufgegeben. Das Teil ist angesichts des Stroms und der Spitzenspannung an diesem kritischen Punkt etwas schmalbrüstig dimensioniert. Ich habe an seiner Stelle jetzt zwei robustere Kerkos mit je 47nF im Parallelbetrieb eingesetzt.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich den Transformator T1 neu gewickelt. Er lag mir schon lange auf dem Magen und ich hatte für seine chaotische Bewicklung auch schon ein paar Bemerkungen von anderen OM kassiert. 68 Windungen hat die Hauptwicklung der 80m Version auf dem kleinen T50-6 Ringkern. Das ist mit dem mitgelieferten Draht nur zu schaffen, wenn man mindestens in zwei Lagen wickelt. Und so sah das bei mir aus:


Ein richtiger Schandfleck. Also habe ich es mit dünnerem Draht versucht (0.2mm) und jetzt sieht das Teil schon wesentlich appetitlicher aus:

 Für die drei andere Wicklungen habe ich etwas dickeren Draht genommen und zur besseren Unterscheidung für die mittlere Wicklung eine andere Lackfarbe gewählt. Auch der Trimmer musste über die Klinge springen und einem 60pF Exemplar Platz machen. Dafür konnte ich einen der Parallelkondensatoren entfernen. 
Die chaotische Wicklung hatte übrigens eine viel zu hohe Induktivität ( ca. +50%) trotz gleicher Windungszahl. Probleme beim Abgleich waren deshalb vorprogrammiert.

Da der Lötkolben schon warm war, habe ich gleich noch eine weitere Modifikation eingebaut:
Im Original liegt die Mittenfrequenz des CW-Filters bei 700 Hz. Doch viele Telegrafisten hören bei tieferen Frequenzen. Ich gehöre auch dazu. Deshalb habe ich das Filter auf 480 Hz gesetzt und die entsprechenden Widerstände ausgetauscht, wie von Paul KE7HR und Georges F6DFZ vorgeschlagen wird. Natürlich müssen dazu auch einige Werte im Abgleich-Menü geändert werden. Aber das ist in der Mod-Anleitung gut beschrieben und es hat sich gelohnt. Der QCX klingt in meinen Ohren jetzt noch besser.

Doch kommen wir endlich zu den Kühen:
Die Bauern benutzen hier alle diese elektrischen Weidezäune, die so schön Knack-Knack machen, wenn der Noiseblanker aus oder bescheiden ist. Die Batterien zu den Knack-Knack-Kästen findet man in der Landi - meinem "Antennenshop" *. Zum Beispiel diese hier:

Im Vergleich zu Bleiakkus sind sie sehr leicht und im Vergleich zu Lipos harmlos ;-)
Man kann sie zwar nicht mehr aufladen, denn es handelt sich um ganz gewöhnliche Trockenbatterien. Doch 55 Ah reichen für weit mehr als eine ganze SOTA-Saison oder ein année sabbatique mit dem QCX. Dabei ist das die kleinste Version. Die grösste hat 175 Ah!
Auch als Reserve für den Notfunk dürfte die Batterie eine gute Lösung sein. Für QRP, denn für grosse Ströme sind die Dinger nicht gemacht. 

Siehe Update: Diese Batterie ist für den Amateurfunk nicht brauchbar

"Aber die hat ja nur 9 Volt", werdet ihr jetzt einwenden. "Damit sackt die Sendeleistung ins Bodenlose."
Da muss ich euch Recht geben. Das wäre tatsächlich ein Problem - wenn es diese kleinen Dinger nicht gäbe, die man für weniger als 2 Dollar auf Ebay kaufen kann. Notabene free shipping. Diese China-Teile heißen "Voltage step up converter". 
Sie sind winzig, haben einen sehr hohen Wirkungsgrad (>90%) und machen aus den 9V spielend jede höhere Spannung bis 30V. Diese lässt sich mit einem Potmeter einstellen. Ich habe sie zurzeit bei 14 Volt eingestellt, so dass der QCX 4 Watt an die Antenne bringt. Natürlich auch dann, wenn gegen das Lebensende der Batterie die Spannung der Batterie absinkt. Der Konverter hält die Spannung konstant.


Strom ist für diese Teile auch kein Problem. Sie können wesentlich mehr liefern als der QCX verdauen kann.

Doch wie bei allem, was auf Ebay aus dem Land der Morgenröte kommt, muss man auch bei diesen Teilen aufpassen. Bei mir waren die Entstörkondensatoren nicht bestückt und anstelle der Ausgangsdrossel hockte ein Null-Ohm-Widerstand in der Leitung. 
Doch für einen heißen Lötkolben und eine gut sortierte Bastelkiste ist das kein Problem und bisher sind mir keine Störungen beim 80m-Betrieb aufgefallen.

*Apropos "Antennenshop"  bei der Landi. Die haben nicht nur diese tollen unbrauchbaren Trockenbatterien, sondern u.a. auch Blitzschutzvorrichtungen für Langdrahtantennen, Antennenumschalter und Isolatoren ;-)

UPDATE: Ich habe die gezeigte Batterie gerade getestet. Für Kühe mag sie vielleicht gut sein, doch für den Amateurfunk ist sie unbrauchbar. Bei mehr als ein paar Milliamperes geht die Spannung in die Knie und bei mehreren hundert, wie sie beim Senden gebraucht werden, liegt die Spannung am Boden. Sorry für die Fehlinfo. Ich werde diese Batterie zum Bauern rüber bringen, vielleicht haben seine Kühe noch Spass daran. 
Die Dinger mögen zwar eine sehr hohe Kapazität haben, doch nur wenn man ein paar Milli zieht. 



Freitag, 16. Februar 2018

Der ICOM IC-7610 im Vergleich


Rick DJ0IP hat eine super Webseite mit mehr als 2.6 Millionen Besuchern seit Januar 2013. Auf Englisch, denn Rick kommt ursprünglich aus den USA. Die Reihe der Rufzeichen, die er bisher innehatte ist schwindelerregend.
Rick hat nicht nur mehr Humor als der mitteleuropäische Durchschnittsamateur, er hat auch beste Beziehungen zu Rob Sherwood. Den mit der Liste, ihr wisst schon.

So findet man auf Ricks Seite immer das Neuste von Rob Sherwood NC0B.
Und jetzt wird es spannend: Rob hat kürzlich den IC-7610 mit seinen anderen Gerätschaften verglichen: mit dem großen Schlachtschiff von Kenwood, dem TS-990S, mit einem ANAN 7000DLE und natürlich mit dem IC-7300. Der Vergleich fand diesmal nicht im Labor statt, sondern in der harten Wirklichkeit: unter Contest-Bedingungen. Rob hat ein Traum-QTH in Colorado, nicht zu vergleichen mit unseren bescheidenen Verhältnissen im überbevölkerten und HF verseuchten Mitteleuropa. Darum leuchtet bei seinem IC-7300 die OVL-Anzeige auch nur in seltenen Fällen.

Wie sind Rob's Vergleiche ausgefallen? Was sind seine Schlüsse, die er daraus gezogen hat?

- Aus seiner Sicht sind die wesentlichen Verbesserungen des IC-7610 gegenüber dem IC-7300 das lautlose QSK (Full BK) und das Audio Peak-Filter APF. Kein Wunder, den Rob ist ein CW-Mann.
 Aber auch der grosse Kenwood hat eine lautlose Sende-Empfangsumschaltung ohne klapperndes Relais. Der ANAN hingegen nicht.

- Zwar sei auch der ANAN ein Spitzengerät, an dem es kaum was auszusetzen gäbe, doch Rob mag es, wenn er alles in einer Kiste hat (all in one). So kann sich sein Computer ganz aufs Log konzentrieren.

- Interessanterweise findet er den Zweitempfänger zwar wichtig für DX-Expeditionen, doch nicht für den "Hausgebrauch".

- Abgesehen vom geräuschlosen QSK und dem APF findet er, dass der IC-7300 und der IC-7610 fast gleich gut arbeiten. Er lobt besonders die Noise Reduction NR, die nirgends so gut sei wie in den ICOM's: "The best I have ever used".

- Rob kommt in seinem Bericht dann auf einen Punkt zu sprechen, der mir auch schon aufgefallen ist: viele OM benutzen weder RF-Gain noch Abschwächer. Dabei sind dies zwei ganz wichtige Funktionen, die den Empfang auf den tieferen KW-Bändern erleichtern. Anstatt im 80 oder 160m Band das S-Meter bei S6 oder gar bei S9 rumleiern zu lassen, ist es besser den Abschwächer einzuschalten, und/oder den RF-Gain zurückzunehmen. Der Empfang wird damit sofort ruhiger und angenehmer und die AGC wird nicht mehr vom Noise "überrannt" und kann wieder richtig arbeiten.
Das betrifft übrigens alle Empfänger, ob klassische Superhets oder moderne Direct Sampler.

- Im Übrigen findet Rob die Spektrums- und Wasserfallanzeige auf den ICOM's wesentlich besser als auf dem Kenwood oder dem ANAN.

- Was den Sendeteil der Geräte anbelangt, ist sich Rob der Unzulänglichkeiten der 12V-Endstufen bewusst. Die Intermodulationsverzerrungen dieser Sender können nicht mit der Empfangstechnik schritthalten. Ja, sie machen deren Fortschritte sogar zunichte. Der Kenwood, so vermutet er, ohne Genaues gemessen zu haben, sei in dieser Hinsicht besser, da er eine 50V Endstufe verwende.

- Eine interessante Bemerkung im Bericht betrifft den Noiseblanker NB. Bisher habe es ICOM nur im 781er und im Pro3 zustande gebracht, Impulsstörungen richtig wegzukriegen. Besonders schlimm sei in dieser Hinsicht der IC-7000.

- Natürlich kommt Rob auch auf das OVL-Problem zu sprechen. Das ist die Anzeige, die bei den Direct-Samplern anspringt, wenn der A/D-Wandler überlastet ist. Der Empfänger erzeugt dann nur noch Chaos und ist unbrauchbar. Da Rob am "Ende der Welt" lebt und nicht in Zentraleuropa, hat er die OVL-Anzeige beim IC-7300 bisher nur einmal gesehen, als eine CB-Station in der Nähe war. Aber er weiß um die Situation hier in Europa.

- Der mitlaufende Preselector im IC-7610 scheint nicht gerade das Gelbe vom Ei zu sein. Einerseits ist es offenbar nur ein einpoliges Filter mit einer ziemlich flachen Selektionskurve, andererseits sind da offenbar Relais am werkeln. Rob berichtet von Knackgeräuschen im Empfänger und aus der Kiste die alle 10 oder 20kHz beim Drehen über das 160m Band zu hören seien. Darum habe er diese, DigiSel genannte Funktion, ausgeschaltet.

Bild: bunte "Vögel" über der Jammerbucht.


 

Mittwoch, 14. Februar 2018

Seltsame HF-Blüten


Nikola Tesla, nach dem Elon Musk seine Autos benannt hat, war ein exzentrischer Erfinder. Seinem Forscherdrang entsprangen eine grosse Zahl von Patenten, zu Beginn durchaus handfest und nützlich, doch mit zunehmenden Alter immer skurriler. Denn Tesla war von einer Idee besessen: der drahtlosen Übertragung von elektrischer Energie.

Dass diese Idee immer noch in den Köpfen rumschwirrt, beweist eine amerikanische Firma mit dem Namen TEXZON. Dieses Unternehmen unter der Leitung eines ehemaligen Generals hat sich zum Ziel gesetzt, Energie zwischen zwei beliebigen Punkten auf der Erde zu übertragen, notabene im 160m Band! Ein Kraftwerk soll dabei einen Sender betreiben, der so genannte Zenneck-Wellen aussendet. Diese sollen dann mit entsprechenden Empfängern überall auf der Erdkugel empfangen werden.
Jonathan Zenneck war ein deutscher Physiker, der sich mit Hochfrequenz und Wellenausbreitung befasste.
Zenneck Wellen, so wird in einer ziemlich abstrusen Abhandlung beschrieben, würden sich unterschiedlich von Grund- und Raumwellen ausbreiten. Sie würden die Erde als verlustlosen Wellenleiter benutzen, ohne als elektromagnetische Wellen abgestrahlt zu würden.
Beim Lesen der Erklärungen von TEXZON hat sich mein Gehirn dermaßen verknotet, dass ich immer noch daran bin, die Ordnung in meinem Hirnkasten wieder herzustellen.

Eine weitere HF-Blüte, die seit einiger Zeit durch den imaginären Aether geistert, ist ein Raketentriebwerk, das mit Mikrowellen-Energie läuft. Es soll Raumschiffe auf unvorstellbare Geschwindigkeiten beschleunigen und so Reisen nach Alpha Centauri möglich machen.
An diesem EM-Drive sollen unter anderen auch die NASA und die Chinesen forschen.
Das Verrückte daran ist, dass niemand schlüssig erklären kann, wie das Teil funktioniert. Denn es ist ein Triebwerk aus dem nichts rauskommt. In eine Blechkammer werden Mikrowellen eingespeist, die darin zwischen den Wänden hin- und her reflektieren. Was dabei zum Vortrieb führt, entzieht sich der bekannten Physik.

Leider sind nicht alle HF-Blüten so lustig. Eine, die uns Funkamateuren immer wieder zu schaffen macht, ist PLC - Power Line Communication. Diese Art der Kommunikation, bei der Hochfrequenz über nicht abgeschirmte Kabel verschickt wird, muss einem kranken Ingenieurgehirn entsprungen sein. Dabei wird der ganze Kurzwellenbereich benutzt und ein Teil der Energie natürlich abgestrahlt. Diesen Müll können wir dann in unseren Empfängern hören.
Doch nicht nur die Stromleitungen der Hausinstallation werden für die Datenkommunikation im Kurzwellenbereich missbraucht, auch die Telefondrähte. Auch diese sind in der Regel nicht abgeschirmt und strahlen wie Langdrahtantennen.
Es soll sogar Funkamateure geben, die sich sowas freiwillig ins Haus holen und dann auf den Bändern lauthals über die Störungen jammern. Diesen OM sollte man die Lizenz wegnehmen.

Wie sich das anhört, könnt ihr im folgenden Video hören. Irgendwo in meiner weiteren Umgebung wird so ein Unding betrieben. Glücklicherweise weit weg von meiner Antenne und mit ausgesparten Amateurfunkbändern. Ja, sogar das 11m CB-Band wurde verschont, wie im Video zu hören ist:

   

Der Datenmüll ist glücklicherweise nur schwach zu hören. Um ihn mehr hervorzuheben, habe ich den Vorverstärker eingeschaltet und drehe in AM über den KW-Bereich - angefangen bei 29.7 MHz.
Wehe dem. der sowas im Haus oder nebenan hat. Dann kommt das grausige Gebrabbel auch auf den Funkbändern hoch, wie das Murmeln einer Bande Orks.

Sonntag, 11. Februar 2018

FT-817 aufgemotzt





Der FT-817 wurde Ende 90er entwickelt und kam 2001 auf den Markt. Nach fast zwei Jahrzehnten ist er in seiner Klasse immer noch konkurrenzlos. Zwar gibt es den KX3 auch mit dem 2m Band, doch das 70cm Band fehlt.
Wie bei den meisten Geräten, hatte auch der FT-817 zu Beginn an Kinderkrankheiten zu leiden. Die Endstufe ging leicht kaputt und konnte sich wegen Schwingneigung schon bei Unterspannung verabschieden. 2004 kam dann die verbesserte Version FT-817ND, die in der Endstufe anstelle der 2SK2975 die MOSFET RD07MVS1 beschäftigt.
Dieser Transistor ist wesentlich robuster. Ich benutze ihn ebenfalls in meinem IC-7400 als Treiber. Allerdings dort mit weniger Ruhestrom, als im Service-Manual verlangt. Der hat nämlich bei seinen Vorgängern zum Exitus geführt.
Diese Vorgänger waren - wie könnte es anders sein - auch die unzuverlässigen 2SK2975.

Im FT-817ND werkeln die beiden SMD-Transistoren nur auf Halblast. Die PA könnte spielend 10W bringen und lässt sich über das Service-Menü auch entsprechend modifizieren. DK9VZ zeigt auf seiner Webseite, wie das geht.
Natürlich kann auch dieser Transistor den Hitzetod sterben und im FT-817 ist die Kühlung bescheiden. Deshalb empfiehlt auch DK9VZ, mit 10W keine Dauerbetriebsarten wie FM oder digitales "Zeug" zu fahren und den 10W Betrieb auf SSB und CW und auf Kurzwelle zu beschränken. Doch das ist kein Problem, kann man doch die einzelnen Leistungsstufen entsprechend einstellen.
Diese Modifikation habe ich zwar ausprobiert, aber inzwischen benutze ich eine kleine PA, wenn ich mehr Leistung haben will. Sie läuft mit zwei völlig unterbeschäftigten VRF2933 und 24-28 Volt und ist deshalb praktisch unkaputtbar.

Wer weiss, ob und wann das eierlegende Wollmilch-Mini-Schwein noch auf dem Markt bleibt. Aber es hat gute Chancen, auch noch sein drittes Markt-Jahrzehnt zu erleben.
Allerdings werden die Ersatzteile langsam zu einem Problem. Wer die PA-Transistoren ersetzen muss, bekommt nur noch NOS, und wer noch ein CW-Filter nachrüsten will ebenfalls. Denn Collins hat die Fabrikation mechanischer Filter schon 2015 eingestellt. In einem zukünftigen Occasionsmarkt werden deshalb FT-817 ohne CW Filter wohl drastisch an Wert abgeben. Wer noch kein Filter drin hat, der sollte jetzt noch zugreifen.

OT zum Sonntag:
Ein Bayrischer Ex-Politiker zur derzeitigen Muppet-Show in der NZZ. Achtung Linke: das ist ein "böser" Rechter. Dafür bringe ich nächstes Mal was von der Sahra, meiner deutschen Lieblingspolitikerin ;-)))