Mittwoch, 11. Oktober 2017

Die Antenne - der beste HF-Verstärker





Nach einem wunderbaren Sommer genießen wir hierzulande nun einen ebenso schönen Oktober.
Stabile Hochdrucklagen im Herbst sind in den letzten Jahren selten geworden, demzufolge auch entsprechende Überreichweiten auf den VHF/UHF/SHF Bändern. Vielleicht können wir aber in den nächsten Tagen von guten UKW Bedingungen profitieren. Zumindest hier im Südwesten. In Norddeutschland sieht es dagegen zappenduster aus. Und vom Atlantik her droht weiteres Ungemach. Der Tropensturm Ophelia zieht nicht in die Karibik, wie das Tropenstürme in dieser Jahreszeit tun, sondern gegen Nordspanien.
Nicht nur die Weltpolitik spielt verrückt, auch das Wetter macht mit.

Wer eventuelle UKW-Überreichweiten frühzeitig erkennen möchte, findet hier und hier zwei hilfreiche Seiten.

Um UKW-Überreichweiten zu nutzen, braucht es natürlich entsprechendes Equipment und vor allem gute Antennen. Hier meine beiden Lieblingsseiten was dieses Thema anbelangt:
Da ist mal das ausgezeichnete Antennen-Blog von Willi HB9PKZ. Wichtig vor allem, wenn man an der theoretischen Seite interessiert ist und nach höheren Frequenzen strebt.
Und hier die mehr praktische Seite von DK7ZB. Seine Antennen funktionieren, wie ich bereits mehrfach feststellen konnte (1,2)

Zum Thema andere Länder, andere Sitten:



Bild 1: Antennen oder Landesignale für Aliens?
Bild 2: "Matratzen-Antenne für TV-Empfang. Man beachte die unterschiedlichen Quad-Abmessungen!
Bild3: Drahtloser Internet-Zubringer via Mikrowellen.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

DX im Rauschen



DX - weltweite Funkverbindungen - faszinieren fast jeden frischgebackenen Funkamateur. Und so ist es denn in der Regel auch das erste was der Newcomer nach der Lizenzprüfung tut: er geht auf die Jagd nach Stationen auf anderen Kontinenten und Inseln in den Weiten der Ozeane. Manch ein OM kann sich ein Leben lang dieser Faszination nicht entziehen, auch wenn heute im Zeitalter des Internets die Welt zu einem Dorf geworden ist.

Zur Zeit sind die Bedingungen günstig. Der Oktober zählt zu den besten DX-Monaten des Jahres. Obwohl sich der laufende Sonnenzyklus seinem Ende nähert, sind die höheren KW-Bänder wieder etwas zum Leben erwacht. Doch das wird leider nicht so bleiben.

Trotzdem gibt es für den DXer Hoffnung, auch in Zeiten geringer Sonnenaktivität seiner Leidenschaft frönen zu können. Im neusten QST (Oktober 2017) beschreibt Carl K9LA, wie man der Ausbreitung ein Schnippchen schlagen kann und auch dann noch QSO's zu Stande bringen kann, wenn es gemäß VOACAP nicht mehr gehen sollte.

Eine alte Indianer-Regel sagt zwar, dass man absteigen soll, sobald man merkt, dass man ein totes Pferd reitet. Doch auf den KW-Bändern sollte man sich das mit dem "Absteigen" gut überlegen. Auch wenn das Band scheinbar tot ist und keine SSB oder CW Signale zu hören sind, könnten Funkverbindungen trotzdem möglich sein.

Der Trick ist: anstatt absteigen muss man umsteigen.
Die digitalen Betriebsarten JT65, JT9 und FT8 funktionieren auch dann, wenn die Signale für das Ohr des Operateurs nicht mehr hörbar sind. Signale die bis ca. -26dB unter dem Rauschpegel liegen, können noch decodiert werden.
Das reicht, um auch dann noch über die Ionosphäre zu funken, wenn es die MUF eigentlich nicht mehr erlauben würde. Carl zeigt in seinem Artikel auf, dass noch bei einer MUF von 23 MHz im 10m Band digitale Verbindungen möglich wären.

Zwar wird der Großteil der 10m Welle in diesem Fall nicht mehr von der Ionosphäre reflektiert, aber trotzdem sollen noch Reste des Signals zur Erde zurück gestreut werden, wie Carl anhand eines Beispiels ausführt.

Doch wie immer im DX-Universum gilt auch hier: gute Antennen und genügend Leitung erhöhen die Chancen. 
 

Montag, 2. Oktober 2017

Schlechte Prognosen für den nächsten Sonnenzyklus


Langsam geht der momentane Sonnen-Zyklus (Nummer 24) zu Ende. Er war der schwächste seit fast 200 Jahren. Sein Vorgänger, Nummer 23, war übrigens der längste seit 200 Jahren und einer der längsten seit dem Beginn der Aufzeichnungen 1755. Er dauerte ganze 151 Monate oder 12.6 Jahre.
Wie lange die Nummer 24 wird, steht noch nicht fest. Das letzte Minimum war ja ungewöhnlich lang und das vergangene Maximum überraschte mit einem Doppel-Peak. Die Sonne sorgt immer wieder für Überraschungen.

Die Experten rätseln aber bereits am nächsten Zyklus (Nummer 25) herum. Und wie immer ist die Bandbreite der Vorhersagen groß.
Die gute Nachricht ist, dass bisher niemand ein Ausbleiben des 25. Zyklus prophezeit.
Die schlechte Nachricht: Nummer 25 soll nur halb so groß werden wie Nummer 24.

Kurzwellenfunker gehen also vermutlich schlechten Zeiten entgegen. Ausbreitungsbedingungen wie sie ältere Semester noch erlebt haben, wird es vermutlich in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr geben.
Ein rund um die Uhr offenes 10m Band mit sehr starken Signalen aus Japan am frühen Morgen und "Lokalrunden" mit kalifornischen Stationen am Abend.
Ich erinnere mich an die Zeit, als die Ortsfrequenz in Bern 29.6 MHz AM war - 2m FM existierte damals noch nicht. Lustigerweise hatten auch die New Yorker ein Netz auf 29.6 MHz. Und so kam es zu regelmäßigen Verbindungen über den Atlantik - auch zwischen Mobilstationen. Benutzt wurden umgebaute CB-Geräte.
Aber auch in SSB und CW ging die Post ab. 10m DX Mobile war damals meine Lieblings-Betriebsart. Der Transceiver hockte in den 70er Jahren auf dem Beifahrersitz im Triumph GT6 und die lange Fiberglas-Rute hinten auf dem Kotflügel war damals die Standardantenne. Wir nannten sie Italiener-Antennen und eigentlich waren sie für den Radioempfang gedacht. Natürlich auf Lang- Mittel- und Kurzwelle, versteht sich. Die Italiener-Rute wurde für das 10m Band vorsichtig in der Mitte aufgeschlitzt um an den innen liegenden Draht zu gelangen, um diesen zu unterbrechen. Dann wurde eine Spule gewickelt und diese nach dem Fine-Tuning in Kunstharz eingegossen.

Bild: Die Fähre von Dénia nach Ibiza. Im Hintergrund der Montgo.





Donnerstag, 28. September 2017

10 GHz via Reflexion an Bergen




Mit Interesse verfolge ich den Ausbau des HamNet - ein unabhängiges Internet für Funkamateure. Auch wenn ich z.Z. noch nicht weiß, für was ich das brauchen würde ;-)
Zwischen den Knoten und als Zugangsfrequenzen für die OM werden dort Mikrowellen eingesetzt. Vor allem im 13 und 6cm Band. Doch hohe Datenraten bedingen hohe Bandbreiten. Daher muss in der Regel zwischen Sender und Empfänger eine Sichtverbindung bestehen.

Anders sieht es aus, wenn die Datenrate und daher die Bandbreite gering ist, wie bei SSB, CW oder schmalbandigen digitalen Betriebsarten. Da geht es auch ohne Sichtverbindung.
Bekannt sind Überreichweiten bei bestimmten Wetterlagen, Regenscatter und Reflexionen an Flugzeugen.
Doch für eine Über-Horizont-Verbindung braucht man nicht auf das Wetter oder vorüberfliegende Flugzeuge zu warten. Mikrowellen reflektieren sehr gut auch an Gebirgswänden.

Das ist ein Plus für uns Alpenbewohner und eine Kompensation für unseren hohen (Radio-) Horizont. Wir brauchen nicht unbedingt auf einen Berg zu kraxeln um den Mikrowellen zu frönen. Wir können den Berg einfach vom Tal aus anstrahlen.

In diesem Blog habe ich bereits über unsere Versuche im 23cm Band berichtet. Zum Beispiel hier und hier.

Nun haben wir das Spiel über Bande auf dem 3cm Band wiederholt. Und nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat es auch hier geklappt. Gestern hatten wir unser erstes QSO via Reflexion am Chasseral. Das SSB Signal war beidseitig weit über 59 und mindestens ebenso gut wie im 23cm Band.
Doch was die 23cm Welle noch halbwegs toleriert, ist für die 3cm Welle ein No-Go. Bereits ein einzelner Baum vor der Antenne ist ein unüberwindbares Hindernis. Die 3cm Welle will den Berg sehen, an dem sie umgelenkt werden soll.
Deshalb musste der Spiegel von Hansjörg HB9EWH diesmal aufs Dach. Siehe oberstes Bild.
Meine 33cm Technisat-Schüssel durfte bleiben wo sie ist (zweites Bild). Sie hat eine ungestörte Sicht auf unseren Reflexions-Berg. Im folgenden Bild ist der Pfad zu sehen, den unsere Wellen zurücklegen mussten, eine Strecke von fast 80km:


Aber auch hier gilt der Spruch: Auf die Dauer hilft nur Power. Die Strahlungsleistung liegt bei beiden Stationen über einem Kilowatt EIRP :-)


Dienstag, 26. September 2017

Kurzwelle und Cash



Der Hurrikan Maria hat Puerto Rico übel mitgespielt. Das Stromnetz ist zerstört und die Menschen wurden praktisch in die 50er Jahre zurück katapultiert. Nebst all dem elektronischen Kram, den wir für unentbehrlich halten, sind auch Kreditkarten nutzlos geworden. Nur Cash geht noch.

Zwar heißen die Wirbelstürme in Europa Orkane und nicht Hurrikane und sind weniger stark, doch mit Stromausfällen ist auch hier zu rechnen. Ein harter Winter und eine Verkettung unglücklicher Ereignisse und das Stromnetz klappt zusammen. Wegen der Vernetzung nicht nur lokal, sondern im schlimmsten Fall europaweit. Eine Kostprobe bekamen wir im November 2006 zu spüren. Damals war der Spuk nach zwei Stunden vorbei. Doch ein Szenario mit einem Totalausfall von mehreren Tagen oder gar Wochen ist nicht unwahrscheinlich.
Was dann in den Ländern wohl passieren wird, die das Bargeld abgeschafft haben?

Natürlich ist auch das riesige Arecibo Radioteleskop vom Zusammenbruch der Stromversorgung in Puerto Rico betroffen. Aber der Hurrikan hat es auch direkt beschädigt. Eine dickes Koaxialkabel ist vom Feed abgerissen und in die Schüssel gekracht. Nur über eine Verbindung auf Kurzwelle war der Kontakt mit der Mannschaft in Arecibo möglich. Die Zufahrtsstraße wurde verschüttet.

Um die "Notfunk-Szene" ist es hierzulande merkwürdig still geworden. Ob wohl all die Relais und HamNet Stationen über eine Notstromversorgung verfügen, die auch längere Unterbrüche wegstecken kann? Und wie sieht es bei den einzelnen OM aus?

Wie auch immer: Zum QRP-Transceiver und einem geladenen Akku gehört nebst Notvorrat auch etwas Cash dazu, wie wir von Puerto Rico lernen können.

Bild: Der Montgo (bei Dénia) von der Rückseite. Das Bild stammt von Manfred DL2IAO, der zur selben Zeit in der Gegend war und mir geschrieben hat, dass dort tatsächlich wilder Fenchel an jedem Wegrand wächst :-)



Freitag, 22. September 2017

Schon wieder ICOM


Fast hätte ich in Spanien den Knüller des Jahres verpasst. Da promeniert man nichtsahnend am Meer und bewundert die Yachten der Reichen und Schönen, während sich im Universum des Amateurfunks die nächste Revolution anbahnt.

ICOM hat im September an der Tokyo Ham Fair den Prototyp eines Transceivers gezeigt, der äußerlich aussieht wie der Topseller IC-7300, dessen Stärken aber in höheren Aethersphären liegen.
Auf ein solches Gerät hatte ich immer gehofft, aber nicht mehr an sein Erscheinen geglaubt: ein Allmode-Transceiver für VHF und UHF. Der letzte seiner Art war der IC-910, ein Gerät, das auf dem Gebrauchtmarkt schwer aufzutreiben ist.

IC-9700 heißt das Teil und soll nicht nur das 2m und 70cm Band beinhalten, sondern ebenfalls unser vernachlässigtes Mikrowellenband bei 23cm. Natürlich mit D-Star und Wasserfallanzeige. Gerade im VHF/UHF-Bereich bietet letztere einen unschätzbaren Vorteil: bei der Beobachtung von Überreichweiten.


Noch sind weder Spezifikationen noch Erscheinungstermin bekannt, geschweige denn der Preis. Doch wenn die Kiste kein Versuchsballon ist, werden wir wohl im Verlaufe des nächsten Jahres damit rechnen können.



Blöde Antennen



In DL nahen die Wahlen und die Zeitungen feuern aus allen Rohren gegen die neuen "Spielverderber", die unser Matterhorn geklaut haben. Aber Mutti wird es wohl nochmals schaffen.
Als "konservativer Alpenindianer" kann mir das recht sein; Mutti hat uns wenigstens in Ruhe gelassen und wollte uns nicht die Kavallerie schicken wie damals dieser Kanisterkopf, dessen Name ich schon vergessen habe.
Trotzdem werde ich mir noch eine Tüte Popkorn kaufen und am Sonntagabend das deutsche Staatsfernsehen einschalten. Vielleicht verschlägt es mich ja plötzlich in eine Parallelwelt in der Sahra Wagenknecht Kanzlerin, der EU-Martin Vizekanzler und Cem Özdemir Aussenminister wird. Der Karl-Theodor von und zu würde dann vielleicht das Wahrheitsministerium übernehmen.

Blöde Idee, werdet ihr wohl sagen.
Mag sein, aber ich habe noch nie so richtig in das Rechts-Links-Schema gepasst ;-)
Nur bei Antennen hört der Spaß auf. Denn dort gibt es tatsächlich blöde Ideen.
Eine, die mir kürzlich über den Weg gelaufen ist, ist die Sigma Eurocom SE-HF-360. Eine 5.5m lange Vertikalantenne mit einem 6:1 UNUN, die von 80 bis 10 funktionieren soll. Ohne Radials notabene, denn das Teil sei ja eine "Endfeed".

Eine Antenne für die ahnungslosen Hoffnungslosen.
Nichts gegen einen 5.5m Strahler. Doch der braucht ein massives Gegengewicht (z.B. eine Autokarosserie) und einen Tuner am Speisepunkt. Der UNUN gehört in die Schrottsammlung. Ein kurzer Blick in die Antennensimulation zeigt, dass er die Anpassung bloß verschlimmbessert.

Eine bessere Idee ist die Morgain-Antenne, auf die mich Stefan DL8SFZ aufmerksam gemacht hat. Die Morgain hat zwar nicht mehr Gain, wie der Name anklingen lässt, dafür aber nur 2x10m Spannweite und ist trotz ihrer Kürze auch noch im 80m Band brauchbar unterwegs.
Hier noch ein Artikel über die Antenne von Simone IW5EDI.

Zwar bin ich schon seit Sonntag aus Spanien zurück, doch die Seele ist erst heute angekommen, und für die Sichtung all der Mail, die ich in den letzten Wochen erhalten habe, brauche ich noch etwas Zeit. Ich werde auf die eine oder andere in den nächsten Blogeinträgen noch zurückkommen.

Bild oben: Danke Bernd!

Bild unten: Blick auf Dénia aus der Cova de l'Aigua in der Felswand des Mongo. Auf diese Höhle hat mich übrigens ein lustiges Kasseler Paar aufmerksam gemacht, das mich für einen Spanier hielt und wissen wollte, ob sie tatsächlich wilden Fenchel gefunden hatten :-)