Mittwoch, 22. November 2017

Späte Reue



Eines meiner Hobbies im Hobby war in der Vergangenheit das Kaufen und Verkaufen von Funkgeräten. Eine Tätigkeit die wellenförmig verlief und praktisch immer in exzessiven Verlusten endete. Das war der Preis für die Neugier und die Erfahrung mit unterschiedlichen Sendern, Empfängern und Transceivern.

Unzählige Geräte sind dabei über meinen Stationstisch gewandert, um nach oft kurzer Zeit wieder im Gebrauchtmarkt zu verschwinden. Manchmal bin ich ihnen wiederbegegnet - zum Beispiel an der Surplus-Party in Zofingen oder im Web. Und in Momenten voller Nostalgie und verklärter Erinnerungen habe ich einige sogar wieder zurückgekauft, um sie dann später doch wieder zu verscherbeln.

Beim zweiten Mal ist es eben oft nicht mehr so "lustig". Das trifft im Leben für viele Dinge zu.

Vielen Kisten trauere ich keine Träne nach, bei anderen bereue ich den Verkauf noch heute.
Ein KW-Transceiver, den ich heute nicht mehr hergeben würde, ist der IC-765. Der letzte große Sende-Empfänger von Icom vor dem allmählichen Einzug der digitalen Signalverarbeitung. Dabei musste ich bei diesem Gerät so ziemlich alle Fehler reparieren, welche im Web beschrieben sind - plus ein paar kalte Lötstellen. Aber das war noch vor der automatischen Bestückung mit SMD. Diese Technik hat m.E. die Geräte zuverlässiger gemacht. Trotzdem habe ich das alte Schlachtschiff in guter Erinnerung.

Auch einer der späteren Nachfolger des IC-765, der Pro3, würde ich heute nicht mehr hergeben. Beide Geräte können heute noch problemlos mithalten. Zwar sind sie in der berühmten Sherwood-Liste inzwischen ziemlich nach unten gerutscht, doch in der Praxis ist das kaum von Bedeutung. Wenn ich die Overload-Anzeige auf meinem IC-7300 aufblinken sehe und - wie gerade jetzt - im 160m Band Phantom-Signale auftauchen, die sich nur durch meinen externen Preselector beseitigen lassen, dann muss ich wieder einmal feststellen, dass Amateurfunkgeräte in den letzten zwanzig Jahren keine wirklichen Fortschritte gemacht haben.

Auch den TS-590 würde ich heute nicht mehr verkaufen. Ja, ich würde nach all den Erfahrungen sogar wieder einen neuen TS-590SG kaufen.

Manchmal blättere ich in meinem alten, längst geschlossenen Blog. Kürzlich bin ich auf einen Eintrag aus dem Jahr 2010 gestoßen, der meine damaligen Ansichten zu den damals mehr oder weniger  "begehrenswerten" Transceivern wiedergibt. Werfen wir doch mal einen Blick in die Vergangenheit:

Veröffentlicht am 6. Dezember 2010 

Zurzeit versuche ich meinen FT-897, mit dem ich mich nicht anfreunden kann, auf Ricardo zu verkaufen. Und ich mache aus meiner Abneigung gegen dieses Teil kein Geheimnis. Gestern wurde mir dazu eine interessante Frage gestellt:
Was für ein Mobilgerät mit KW und UKW ist denn zu empfehlen? Icom 7000? Keni TS wohl eher weniger wie auch Alinco wohl eher weniger? Danke für einen Tipp! Bzw. was nimmt man wenn KW und UKW getrennt? Ein FT7900 für VHF/UHF und eine reine KW Mobilkiste?
Und wie bei Radio Eriwan, kann ich dazu folgendes sagen: „Im Prinzip ja,…“
Natürlich ist es praktisch, alles in einer Kiste zu haben. Und wenn das Teil dann noch ins Auto soll, drängt sich ein FT-857 ja fast auf (der FT-897 ist m.E. zu groß). Zumal auch der Preis stimmt. Natürlich käme auch ein IC 7000 in Frage, aber fürs Auto finde ich diesen Transceiver zu schade ;-)
Es ist auch eine Platzfrage: Einen normalen Mittelklassenwagen kann man nicht unbegrenzt mit Funkgeräten vollstopfen. Schon gar nicht, wenn man eine Mitfahrerin hat.
Persönlich würde ich ins Auto keine eierlegende Wollmilchsau einbauen. Mit einem FT-7900, oder dem Vorgängermodell FT-7800 ist man für 2m/70cm FM gut bedient. Mit dem FT-7800 habe ich übrigens beste Erfahrungen gemacht. Entfernt man das Plastikscheibchen (Prallplatte) vor der Mikrofonkapsel ist die Modulation recht gut.
Ehrlich gesagt würde ich auf keinen Fall mehr als Fr. 500.- in einen FM-Mobiltransceiver investieren. Für die Hälfte davon gibt’s übrigens schon gute Occasionen.
Für KW würde ich mir einen TS-480 kaufen. Das ist zwar nicht der letzte Schrei, aber die Geräte sind robust und haben sich bewährt. Die Kinderkrankheiten sind schon lange Vergangenheit. Die Bedienung ist logisch und für alle wichtigen Funktionen gibt es eine Taste oder einen Knopf. Ich brauche also nicht zuerst eine „F“-Taste zu drücken, dann an einem Knopf zu kurbeln, bis auf der Anzeige die NB-Taste aufgeführt wird, um diese dann zu drücken, wie das bei den Vertex-Geräten der Fall ist.
Die Modulation des TS-480 ist ausgezeichnet und der Empfänger macht sich auch zuhause oder portabel an großen Antennen gut. Im Gegensatz zum Icom IC-7000 wird auch die Wärme gut abgeführt, was auf ein langes Leben hoffen lässt. Die einzige Frage, die noch offen bleibt: Soll es die 100W-Version mit Antennentuner sein oder die 200W-Version ohne Antennentuner. Da ich überall automatische Koppler oder resonante Antennen verwende, tendiere ich eher auf die 200W-Version. 3dB mehr können nicht schaden. Allerdings brauche ich dann zuhause ein 45A-Netzteil (oder zwei 22A), wenn das Gerät auch im Shack betrieben werden soll.
Für meine letzte Mobilexpedition zum Nordkap und zurück hatte ich zwar keinen TS-480 sondern einen IC-7200 im Auto. Aber das war ein alter sechsplätziger Cadillac Deville und kein Golf. Der IC-7200 wird mich übrigens auch auf meine nächste Expedition begleiten. Dieses Gerät im Military-Look hat es mir angetan. Der Sender hat unheimlich viel „Talk Power“ und der Empfänger ist fast so gut wie der in meinem IC-756ProIII. Zudem verträgt die Kiste eine raue Behandlung und auch mal einen „Sprutz“ Wasser.
Noch eine Bemerkung zum Alinco KW-Transceiver: Wenn knapp bei Kasse würde ich mir lieber mit dem Geld einen “Alten” kaufen, wie zum Beispiel den IC-735 – ein Geheimtipp unter den Klassikern.
Doch was mache ich, wenn ich auf 2m und 70cm nicht nur in FM, sondern auch in SSB funken möchte?
Da ist guter Rat teuer. Entweder kaufe ich mir doch eine der eierlegenden Wollmilchsauen (am liebsten den IC-7000), oder ich bin solvent und konsequent und beiße in den teuren Apfel , und der heißt Icom IC-910H. Hätte ich nicht schon ältere Multimode-Einbandtransceiver für 2m und 70cm, würde ich das vermutlich auch tun. Allerdings ist der IC-910H weniger fürs Auto gedacht. Es ist m.E. ein Heimgerät. Leider in seiner Klasse auch konkurrenzlos.

73 de Anton
 Soweit meine Ansichten und Einsichten aus dem Jahre 2010. Interessant ist: ein IC-910 und ein IC-735 sind in der Zwischenzeit über meinen Stationstisch gewandert und wieder verschwunden. Einen FT-857D und einen IC-7200 besitze ich nach wie vor. Es sind meine Feriengeräte und ich werde mich nicht von ihnen trennen. Einen TS-480 hatte ich nie. Müsste man nicht teuer Quarzfilter zukaufen, wäre er sicher auch heute noch eine Überlegung wert - besonders die 200W Version.

Bild: Geheimnis am Ende der Stange ;-)

Donnerstag, 16. November 2017

"Nummer Zwo" ist QRV



Keine Ahnung wie er zu seinem Namen kam. Vielleicht weil mein Freund bereits vor mir ein gleiches Teil gebaut hat. Auf jeden Fall musste er wieder einmal zusammenflicken, was ich kaputt gemacht hatte. Bin ich doch Spezialist für Abbruch, während er Mikroprozessoren programmieren kann. Eine Domäne, bei der ich in ein schwarzes Loch gucke.
Doch wir ergänzen uns - in einem gewissen Sinne.

Nummer Zwo ist im Gegensatz zu Pauls Röhrenaudion, das ich hier vorgestellt hatte, ein hochmoderner Empfänger. 
Ich hatte ihn als Bausatz von QRP-Labs gekauft. Er ist quasi der Vorläufer des QRP-Transceivers QCX, den ich ja auch bereits ins Jenseits befördert habe. Eigentlich ein SDR mit I/Q-Ausgang, bestens geeignet für den Anschluss an einen PC, der dann die nachfolgende Signalverarbeitung übernimmt.
Doch Hans Summers von QRP-Labs hat wohl gewusst, dass viele OM dieses Gerätchen Standalone betreiben möchten und nicht als Vorsatz zu einem Computer. Deshalb bietet er ein Phasennetzwerk an, das die Seitenbandunterdrückung dieses DC-Empfängers übernimmt. Für die Filterung muss man freilich selber sorgen.
Als VFO dient ein Synthesizer mit einem Si5351A, der separat bestellt werden muss. Doch wie bei allen Kits von QRP-Labs ist auch der sehr preiswert und in der Regel keine große Last für das Budget des OM.

Wie gesagt: dieser Empfänger ist der Vorläufer des QCX. Einen Sender dazu gibt es zurzeit nicht und ob es je einen geben wird, bezweifle ich. Hans wird wohl auf seinem eingeschlagenen Weg weitergehen und ich spekuliere eher auf eine Mehrband-Version des QCX.

Im Gegensatz zum QCX braucht der Empfänger - schlicht "Receiver Module" genannt - die vierfache Empfangsfrequenz aus dem VFO für seinen Tayloe-Mischer. Das setzt seiner Verwendung natürlich Grenzen.

Der Bausatz sass bei mir ziemlich lange in einer dunklen Kiste und langweilte sich. Als ich ihn schließlich zusammenbaute, war sein Leben ebenso kurz wie das des QCX. Er kam, sah und starb. Gemeuchelt durch einen chinesischen Fake-Spannungsregler. Ich habe darüber berichtet.

Nun ist er - dank kompetenter Hilfe - wieder auferstanden und ich habe ihm dazu noch zwei Filter spendiert: eins für CW und eins für SSB. In diesem Fall, wie es sich für einen etwas nostalgischen OM gehört, passive Spulenfilter. Hatte ich doch kürzlich zuunterst in meiner Basteltruhe ein Sammelsurium an Schalenkernen entdeckt. Daraus entstanden dann siebenpolige Chebyshev Tiefpässe. Wunderbare Filter mit einem ausgezeichneten Klang und ohne jegliches Klingeln. Es ist ein wahres Vergnügen damit in den Äether zu lauschen, zumal der Empfänger über keine AGC und andere verzerrende Schaltungen verfügt.

Als NF-Verstärker benutze ich übrigens einen bewährten LM380 - zwar noch käuflich, doch eigentlich auch ein Fossil.

Da QRP-Labs auch einen Umschaltkit für 5 Bandpassfilter anbietet, habe ich den kleinen RX mit Filtern für 160/80/60/40/30m ausgerüstet. Die Umschaltung erfolgt über den VFO, bzw. dessen Mikroprozessor.

Als Vorgänger des QCX verfügt der RX jedoch weder über einen CW-Decoder, noch über ein S-Meter oder andere Goodies. Doch das tut dem Hörvergnügen keinen Abbruch.

Einzig der Encoder des VFO macht mir noch Sorgen. Er ist von der billigsten Sorte und leiert in seinem Lager herum. Ich werde ihn ersetzen müssen.






Montag, 13. November 2017

Pauls Röhren-Audion

In meiner Bucket List fehlt mir noch ein wichtiges Projekt. Zwar habe ich in meinem Funkerleben alles mögliche gebaut, doch ein Röhrenradio war nie dabei.
Paul HB9DFQ, der sich sonst u.a. mit Mikroprozessoren und digitaler Signalverarbeitung befasst, hat sich nun diesen Traum erfüllt. Als Gegengewicht zu seiner beruflichen Tätigkeit, oder aus lauter Nostalgie - wer weiß.
Dazu hat er ein altes Buch aus dem Schrank gekramt, das uns älteren Semestern unter den OM noch bestens in Erinnerung ist - den Diefenbach. Nebst der Diefenbach- war auch die Schultheiß-Bibel bekannt. Auch der Heinz Richter mit seinen Büchern, doch seine Schaltungen funktionierten bei mir selten.


Die Schaltung von Schultheiß, ein Audion, arbeitet zwar nur mit zwei Röhren und einer Handvoll Bauteile, ist aber ein Funkempfänger, der in Amateurkreisen eine Jahrzehnte lange Geschichte hat. Damit konnte man in Zeiten ohne fernöstlichen Elektroschrott weltweit Funksignale empfangen. In AM, SSB und CW und wenn's seine musste sogar in FM - ein richtiger Allmode-Empfänger also.
So einfach das Audion ausschaut, es steht punkto Empfindlichkeit den heutigen Kaufgeräten nicht nach, und farbige Bildschirme waren damals noch kein Thema. Funkamateure waren noch Gentlemen und führten sich auch so auf. Kein Vergleich zu heutigen Verhältnissen.


Pauls 80m Empfänger arbeitet auf dem 80m Band. Wenn man einen Sockel für Steckspulen vorsieht, kann man das Audion durch Umstecken auch auf anderen Bändern betreiben. Hier der Vollständigkeit halber die Spulendaten dazu:


Das eigentliche "Audion" befindet sich in der ersten Röhre. Diese Pentode - zum Beispiel die bewährte EF80 - hat eine dreifache Funktion: Sie verstärkt die HF, arbeitet als Oszillator und mischt das Empfangssignal direkt herunter in den NF-Bereich. Das Audion ist also ein DC-Empfänger, ein Prinzip wie es heutzutage wieder in den SDR zur Anwendung kommt. 
Die Zukunft trifft die Vergangenheit und dazwischen liegt der Superhet. Witzig, nicht wahr?
Doch das Audion kann noch mehr: es entdämpft den Schwingkreis und die damit gesteigerte Güte sorgt für eine erstaunliche Trennschärfe. 
Je nach Einstellpunkt der Rückkopplung kann man damit AM (kurz vor dem Schwingen) oder SSB/CW (beim Ensatzpunkt der Schwingung) empfangen. Daher hat ein Audion-Empfänger nebst Abstimmung und Lautstärke immer auch einen dritten Regler: die Rückkopplung.

Die zweite Pentoden-Röhre bringt dann die NF auf Lautsprecher-Niveau - ein reiner NF-Verstärker also.

Hier noch zwei Fotos zu Pauls Gerät:


Diese Art Empfänger ist keineswegs ein Spielzeug und es ist erstaunlich, was geschickte Operateure aus diesem einfachen Teil herausholen können.

Ein Nachteil sei hier nicht verschwiegen: Das Audion strahlt auf der Empfangsfrequenz. Schließlich sitzt hier ein Oszillator ganz vorne an der Antenne. Eine Eigenschaft, die es übrigens mit allen DC-Empfängern gemein hat. 
Doch dem kann abgeholfen werden. Man platziert vor dem eigentlichen Audion noch eine HF-Verstärkerstufe. Aus einem 0V1, wie hier in Pauls Fall, wird dann ein 1V1. Käme noch eine zweite NF-Stufe hinten dran, hätte man dann das Super-DeLuxe Gerät, einen 1V2.

Ein solches Audion - im Englischen übrigens Regeneration Receiver genannt - habe ich vor einiger Zeit schon hier im Blog vorgestellt. Ihr erinnert euch vielleicht an Andy's Audion. Hier geht es zur Schaltung dieses Empfängers.

Wer in den Untiefen der E-Bucht taucht, der ist vielleicht schon auf den Verkäufer Donautal gestoßen. Er vertreibt Audion-Bausätze. Vielleicht probier ich mal einen aus. So als Trost für meinen QCX, der immer noch in der dunklen Kiste hockt und über seinen Mikroprozessor brütet.


Donnerstag, 9. November 2017

Ein Relais für alle Mikrofälle


Wer auf Mikrowelle funkt, braucht nicht nur eine Antenne mit gutem Gewinn, sondern auch ein entsprechendes Umschaltrelais. Doch das kann ein teurer Spaß werden. Relais für das 10GHz oder gar das 24GHz Band kosten leicht mal mehrere 100 Franken.
Da kann nur der Occasion-Markt helfen. Auf Ebay findet man Mikrowellenrelais - meistens mit SMA-Anschlüssen - ausgeschlachtet aus obsoletem Profi-Equipment.
Doch nicht alle SMA-Relais sind für den OM geeignet.

Viele davon sind bistabil. Das heißt: sie kippen in die eine oder andere Richtung mit einem Strompuls auf den entsprechenden Anschluss. Das ist für den OM ein richtiger "pain in the ass". Man kann sie nur mit einer aufwändigen Hilfsschaltung benutzen und wehe, der Schalter steht falsch, wenn man auf Sendung geht.
Also Finger weg von SMA-Relais mit mehr als zwei Anschlüssen für die Spule(n).
Man achte in diesem Fall auf die Angabe "Failsafe". Das heisst "fehlersicher" auf Deutsch.
Und wenn wir schon bei den englischen Ausdrücken sind: SPDT heisst bei Schaltern und Relais: Single Pole Double Throw, also einpoliger Umschalter. Das ist genau der Typ von Relais, den wir suchen: SPDT, Failsafe und mit SMA-Buchsen....und natürlich für unsere Mikrowellen geeignet.

Man findet in der Regel zwei Kategorien: solche, die bis 18 GHz spezifiziert sind und solche bis zu 26.5 GHz.

Doch das ist noch nicht alles. Wer sein Equipment mit 12V betreibt, möchte gerne auch ein 12V Relais. Und die haben Seltenheitswert.
Das alles drückt sich natürlich auch im Preis aus: Bistabile mit 24/28V sind wesentlich häufiger und billiger zu kriegen als Failsafe mit 12V Spulenspannung.

Natürlich gibt es noch andere wichtige Unterschiede. Man findet sie bei einem Blick ins Datenblatt.
"Break before make" ist wohl eine Selbstverständlichkeit, und dass das Teil unsere Sendeleistung verträgt auch.
Wichtig ist eine gute Übersprechdämpfung. Denn wenn beim Senden zuviel Leistung über das Relais in unseren Vorverstärker zurückkommt, macht dieser die Schraube.
Aber auch die Durchgangsdämpfung ist ein wichtiger Punkt. Da hat man doch einen teuren Vorverstärker mit einer Rauschzahl von 0.5 dB gekauft und das Relais macht alles kaputt mit einer Übergangsdämpfung von 1.0 dB. Das ist ärgerlich - auch wenn es meist wohl keine Rolle spielen dürfte außer bei EME ;-)

Oben im Bild sehen wir eine Reihe Failsafe Relais:
Ganz links ein italienisches 12V Relais, zu dem ich leider noch kein Datenblatt gefunden habe. Rechts davon ein Dow-Key. Es ist bis 18 GHz geeignet und verträgt 25 W CW im 10GHz Band. Die Übersprechdämpfung beträgt mindestens 65 dB und die Durchgangsdämpfung maximal 0.4 dB.
Rechts daneben ist ein Teledyne zu sehen, wie ich es zurzeit benutze. Es ist ein 26.5 GHz Relais mit einer Durchgangsdämpfung von nur 0.2 dB im 3cm Band. Leistung und Übersprechen sind etwa im gleichen Bereich wie beim Dow-Key.
Ganz rechts ist ein Narda zu sehen. Auch ein sehr gutes Relais. Leider arbeitet es mit 28 Volt Spulenspannung. Dem kann man mit einer einfachen Hilfsschaltung abhelfen, die beim Aufzug unsere 12 V verdoppelt. Danach fällt die Spannung wieder auf 12 Volt zurück, doch einmal aufgezogen, bleibt das Relais dann "kleben". 














Die vorgestellten Relais habe ich alle in der E-Bucht beim Tauchen gefunden. Weitere gute Marken, auf die ich jeweils einen Blick werfe, sind sind u.a. : Ducommun, Radiall, Relcomm und Transco.
Es ist erstaunlich, was da alles aus Profi- und Militärequipment herausoperiert wird. Manchmal nicht oder kaum gebraucht und in bestem Zustand. Außer aus dem Land des Staubmondes. Ich habe gerade heute wieder so ein Teil fortgeworfen.

Montag, 6. November 2017

10 GHz: Offset contra Cassegrain










Kürzlich habe ich den Spiegel gewechselt. Nicht am Auto, sondern vor dem Dachfenster. Und auch nicht, weil der alte kaputt war, sondern weil ich der Effizienz meines alten Spiegels nicht über den Weg traute. Konnte ich doch eine wichtige Frage bisher nicht schlüssig beantworten: wie viel Gewinn hatte das Teil mit dem verbastelten Hornstrahler eigentlich?

Ihr habt es sicher gemerkt: es geht um 10 GHz.

Im obersten Bild ist der neue zu sehen, unten der alte. Beide Spiegel sind etwa gleich groß (30, bzw. 33 cm Durchmesser).

Auslöser des Tauschs war ein Inserat von Joseph KI4NPV, das ich auf eBay entdeckt hatte. Ich kannte ihn bereits von früheren Käufen und wusste, dass er ein sehr zuverlässiger und seriöser Verkäufer ist.


New Endgate 30dBi+ gain 13 inch Flat fire Hybrid Cassegrain Dish for 10.368GHz!


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New Endgate 30dBi+ gain 13 inch Flat Fire Hybrid Cassegrain Dish for 10.368GHz! These come with a custom machined 1/4 wave transformer from circular to WR-75 rectangular. Mounting a wr-75 waveguide directly to this dish will result in a return loss of about 6.5dB and with the transformer installed the return loss at 10.368GHz is 27dB. If you look at the front and back photos of this transformer you can see I used O-rings on both sides for this desigh. Range testing shows close to 31dBi gain. The transformer can also be rotated 90 degrees to select either vertical or horizontal polarity. To mount this dish on a tripod simply drill and tap a 5/8 inch coarse thread in the mounting pad. This is standard thread for all commercial tripods. The last 3 photos show a mast mount bracket set for this antenna and this is NOT included in this auction but can be found on my other listings. I only have a hand full of these mounts available. They are 1-3 inch mast diameter by inverting the back Plate. These mounts will ship in their own box and must be purchased from the other auction separately.Florida buyers must add 7% (or actual amount for your county) sales tax or mail me a signed photocopy of your Florida Resale Certificate with your payment! I do combine auction winnings when ever possible to save buyers money. I do ask that buyers help keep track of any auction shipments they want to combine and email me for a total when they are ready. Fixed Priority S&H quoted prices are for 50 USA states. International Bidders pay actual S&H. Good luck bidding! KI4NPV 407-767-5119 
Ein Cassegrain-Spiegel, eine Rarität, zu einem günstigen Preis und erst noch auf 10.368 GHz getrimmt, auf das Schmalbandsegment im 3cm Band! Zudem mit einem Übergang auf einen WR75 Standard-Hohlleiter. Da konnte ich nicht widerstehen.

Heutzutage benutzen die meisten OM auf 10GHz TV-Schüsseln. Es ist die einfachste und günstigste Art, QRV zu werden. Die meisten TV-Schüsseln sind heutzutage Offset Spiegel. Das heißt: der Fokus dieser Spiegels befindet sich neben der Strahlenkeule. Der Vorteil: der Strahlengang wird durch den Strahler und seine Befestigung nicht gestört. Durch die Massenfertigung kosten sie nur wenig.
Der Nachteil: sie sind nicht sehr effizient. Denn der Strahler (Feed genannt) leuchtet sie entweder nicht vollständig aus oder überstrahlt zum Teil den Rand. Man muss einen Kompromiss finden. Die für 10.368 GHz zurecht gebastelten Schüsseln der OM erreichen oft kaum 50% Effizienz. Also  -3 dB gegenüber einer perfekten Ausnutzung der gesamten Wirkfläche. Das liegt auch daran, dass die für den TV-Empfang optimierten Rillenstrahler durch einfache Selbstbau-Hornantennen ersetzt werden.



Der Cassegrain ist da besser. Obwohl ein Teil des Hauptspiegels durch den Hilfsspiegel abgeschattet wird, kann er 80% erreichen. Mit der Form des Sekundärspiegels kann die Ausleuchtung des Parabols sehr gut optimiert werden.



Nachdem nun der Cassegrain von Joseph meinen Offset abgelöst hat, kann ich das bestätigen. Zwar konnte ich nicht beide Spiegel direkt am gleichen Ort (vor dem Dachfenster) vergleichen, doch aufgrund von Baken-Beobachtungen (HB9G, HB9BBD) und nach meinem Signal auf dem 10GHz-SDR auf der Hochwacht zu schließen, habe ich gute 3 dB gewonnen.
Die Rücklaufdämpfung betrug -27 dB, wie von Joseph angegeben. Beim alten Offset-Spiegel waren es übrigens -19 dB, auch noch ein guter Wert.

Mein alter Offset war demnach keine Leuchte und hatte vermutlich einen Wirkungsgrad von maximal 40% - eher weniger. Als Strahler hatte ich ein gekürztes Plastikhorn aus dieser Quelle verwendet.

Ein weiterer Vorteil des Cassegrain ist der Umstand, dass er von hinten gespeist wird. Man könnte also den Transverter, die PA und den Vorverstärker hinter dem Spiegel montieren, direkt auf dem Feed. Soweit bin ich aber noch nicht. Zurzeit erfolgt die Speisung über ein Stück flexibles Sucoflex 104 von Suhner. Ein sauteures Mikrowellenkabel, das bisher nur als Second-Hand ins Budget passte. Erstaunt musste ich kürzlich feststellen, dass man es jetzt zu einem Viertel des ursprünglichen Preises bekommen kann.

In den nächsten Bildern ist zu sehen, was sich unter dem Polyurethan-Deckel des Cassegrain (Radom) befindet, der den Spiegel vor Regen, Hagel und Schnee schützt:



Das ursprünglich weiße Radom habe ich übrigens in Dachfarbe gespritzt um keine schlafenden Nachbarn zu wecken ;-)

Die Urform der Parabolantenne, wo Fokus und Feed im Zentrum sitzen, trifft man heute seltener an.
Die Speisung des Feed ist wenig komfortabel und bietet keine Vorteile gegenüber dem Offset.


Sonntag, 5. November 2017

Leben und Sterben eines QCX



Endlich war er da, der Kit von Hans Summers neuem QRP-Transceiver. Direkt von Japan aus verschickt und gut verpackt in einem kleinen Paket. Ich habe hier bereits über dieses Wunderding berichtet: eine kleine, Eier legende Wollmilchsau.
Rasch war das Inventar gemacht: es fehlte kein einziges Bauteil. Dann ging es direkt ans Löten. Dazu habe ich mir das Handbuch in Deutsch heruntergeladen. Ganze 138 Seiten, akribisch von Peter DL6DSA übersetzt.
Mit dieser Anleitung, die an die legendären Heathkit-Bausätze erinnert, kann man eigentlich nichts falsch machen. Jeder Schritt ist bis ins letzte Detail beschrieben.
Der schwierigste Punkt ist das Wickeln und Löten des Eingangstransformators für den Empfänger. Ich hatte die 80m Version bestellt und hatte daher am meisten Windungen aufzubringen. Viel Draht für den kleinen Kern.
Doch sobald diese Klippe überwunden war, ging es ruck zuck, zack zack und das Teil war fertig.

Auch der Abgleich ging problemlos vonstatten - alles klappte wie am Schnürchen.

Der kleine Monobander ist tatsächlich ein wunderbares Gerätchen. Der Empfänger ist ruhig und doch sehr empfindlich und die Zeichen sind glasklar. Erstaunt war ich über den CW-Decoder, der so gut ist wie die bisher ausprobierten Computerprogramme. Gar nicht zu reden von all den anderen Goodies, die im Überfluss vorhanden sind.

Auch der Sender lieferte die versprochene Leistung und ich war sehr angetan von dem kleinen Wunderding.

Doch am Abend spät, als ich nochmals hoch ging in die Funkbude, und den QCX wieder an 12V anschloss, zeigte die Anzeige nur noch einen erratisch flackernden Strich und nach einer Weile verschwand auch dieser. Das Gerät war tot - mausetot.

Nun sitze ich da und sinniere, was ich wohl falsch gemacht habe. An der Hardware dürfte es nicht liegen, nach dem, was ich gemessen habe. Es scheint, dass der Kleine eine Gedächtnis-Störung hat. Ein Software-Problem.
Ob ich ihn verwirrt habe, oder gar zu streng mit ihm war? Ich weiß es nicht.

Vielleicht hätte ich doch noch etwas warten und zuerst die Cracks unter den OM ran lassen sollen. Da kommt dann vielleicht noch der eine oder andere Tick zum Vorschein. Für Anfänger wie mich, ohne entsprechende Vorrichtung die SW neu aufzuspielen, ist der QCX wohl im Moment nicht geeignet.

Schade. Jetzt muss das Teil halt mal in eine dunkle Kiste hocken und warten. Vielleicht habe ich mit meinem nächsten Projekt mehr Erfolg.

Donnerstag, 2. November 2017

Wenn Bäume den Wellen im Wege stehen



Über den Einfluss von Bäumen und ganzen Wäldern auf die Ausbreitung von Funkwellen wurde schon viel geschrieben. Wissenschaftliche Arbeiten mit Seiten voller komplizierter Formeln - ein Dschungel in dem man Gefahr läuft, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen.

In diesem Wald Antworten auf einfache Fragen zu finden, ist nicht einfach:

Mit wie viel Dämpfung muss ich rechnen, wenn ich meine Antenne im Wald aufstelle?
Wie hoch ist diese Zusatzdämpfung auf den verschiedenen Amateurfunkbändern von KW bis UKW?
Welche Rolle spielt dabei die Polarisation?
Ein einzelner Baum steht in meinem Mikrowellen-Link. Was bedeutet das?
usw.

Bei der ITU (International Telecommunication Union)  findet man eine ganze Serie von Studien (P-Series), welche sich mit der Ausbreitung von Radiowellen befassen. Darunter zum Beispiel die Recommendation ITU-R P.833-7
Darin gibt denn auch ein einfaches Diagramm Antwort auf die wichtigste Frage: Mit wie viel Dämpfung pro Meter muss ich rechnen, wenn ich durch einen Wald sende?


Leider beginnen die Kurven erst bei 30 MHz. Dabei bedeutet H = horizontale Polarisation und V = vertikale Polarisation.
Für das 10m Amateurfunk oder das 11m CB-Band muss man also mit 0.006 dB/m bei horizontaler und mit 0.02 dB/m bei vertikaler Polarisation rechnen.
Wer nicht gerade auf eine kilometerweite Bodenwellen-Verbindung zwischen Mobilstationen angewiesen ist, dem wird die kleine Zusatzdämpfung kaum auffallen. Schon gar nicht bei DX. Denn die Funkwellen müssen ja den Wald verlassen, um die Ionosphäre zu erreichen.

Für tiefere KW-Frequenzen, also zum Beispiel 3.5 MHz kann eine einfache Formel zur Abschätzung der Dämpfung benutzt werden:

D = 0.0004dB/m x f(MHz)      gemäß Yelena Chaiko

Was für Kurzwelle in den meisten Fällen vernachlässigt werden kann, wird essentiell, wenn die verwendeten Frequenzen steigen. Im 2m Band beträgt die Dämpfung pro Meter Wald bei horizontaler Polarisation bereits 0.03 dB und bei vertikaler Polarisation 0.06 dB.
Wer mit einem "Blindenstock" sendet, verliert im Wald also doppelt soviel wie der Kollege mit der horizontalen Antenne.

Echt schlimm wird es aber auf den Mikrowellenbändern. Bei 1 GHz, also etwa im 23cm Band, muss mit einer Zusatzdämpfung von 0.2 dB pro Meter Wald gerechnet werden. Ab hier verschwindet auch die Differenz zwischen horizontaler und vertikaler Polarisation.

Im 10 GHz Band ist der Wald dann definitiv ein No-Go. Ganze 2dB bleiben pro Waldmeter liegen. das heißt: schon eine einzelne Baumkrone verursacht eine empfindliche Dämpfung.
Seine TV-Schüssel hinter einem Baum zu verstecken, ist keine gute Idee. Auch der OM, der sich mit dem HamNet befasst, kommt nicht um diese Thematik umhin. Da das HamNet auch das 6cm Band nutzt, könnte diese Studie hilfreich sein.

Doch Wälder sind so verschieden wie die Menschen. Glücklicherweise ohne Ideologien und Dogmen. Wer mehr über die Ausbreitungsversuche in verschiedenen Wäldern wissen möchte, findet in dem oben erwähnten ITU-Papier Antworten in konzentrierter Form.